Alles über den Sinus Pilonidalis

Wir möchten Sie ausführlich über die Erkrankung des Sinus Pilonidalis informieren, die im Volksmund immer noch Steissbeinfitel genannt wird, damit Sie die Krankheit besser einschätzen können

Was ist eine Steissbeinfistel?

Bei der Steissbeinfistel oder auch Sinus Pilonidalis genannt, handelt es sich um eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung im subkutanen Fettgewebe (Unterhautfettgewebe)

Das Wort Pilonidalsinus oder Sinus Pilonidalis setzt sich aus den lateinischen Wörtern "pilus" für Haar und "nidus" für Nest zusammen, also übersetzt Haarnester.

In den meisten Fällen ist die Steißbeinregion befallen, es gibt aber auch Beschreibungen dieser Erkrankung z.B. in den Fingerzwischenräumen oder im Nabelbereich. 

Das in der deutschen Sprache häufig verwendetet Wort Steißbeinfistel ist unzutreffend, da es sich hier um eine reine Hauterkrankung handelt und der Knochen (Steißbein) nicht daran beteiligt ist. 

Wir wird eine Steissbeinfistel eingeteilt?

Asymptomatische Form

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Die unauffällige (asymptomatische) Form, die ein Zufallsbefund ist und keine Beschwerden verursacht. Keine Therapie ist notwendig, kann aber in die akute oder chronische Form übergehen.


Akute Form

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Die akut entzündete Form tritt mit Schmerzen, Schwellung und Eiter auf. Keine Antibiotika, sofortige Therapie mit seitlicher Einschneidung (Inzision) und Ablassen des Eiters. Nach mehreren Wochen ggf. geplante Operation.


Chronische Form

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Die chronische Form mit leichten Beschwerden wie Druckgefühl und Flüssigkeitsabsonderungen. Operation immer angeraten, da keine spontane Heilung, Operationsverfahren nach Befund.


Wie erkenne ich eine Steissbeinfistel?

Bei der Erkrankung gibt es typische Symptome und Hautveränderungen. Es handelt sich in der Hand des Spezialisten um eine Blickdiagnose. Ein Ultraschall kann in seltenen Fällen eine Untersuchung ergänzen, weitere Bildgebung ist außer bei Rezidiven nicht notwendig.
 

  • Öffnungen in der Mittellinie (Pits): Diese finden sich in der Mittellinie der Gesäßfalte im abstand von einigen Millimetern. Teilweise lassen sich Haare oder Haarzellenmaterial herausziehen. Bei Infektionen kommt Eiter.
  • Schmerzen oder Druckgefühl: Durch die chronische Entzündung bildet sich Narbenmaterial oder bei akuten Verläufen Eiter. Beides führt zu einer Schwellung, die auf hartem Untergrund zu Druck oder Schmerzen führt.
  • Sekret: Ausflug von Eiter bei Abszessen und orangefarbenem Sekret bei chronischen Reizungen.
  • Verschiebung der Pofalte: Bei größeren Befunden kann durch die Schwellungen sich das Gesäß verschieben

Was begünstigt die Entstehung einer Steissbeinfistel?

In der Bundesrepublik Deutschland erkranken 48 von 100.000 Einwohnern (2012) an einer Steißbeinfistel mit einem zunehmenden Trend. Die Risikofaktoren für die Erkrankung werden teilweise sehr kontrovers diskutiert. Eine größere Bedeutung bei der Krankheitsentstehung haben z.B.:

  • Verstärkte Behaarung in der Gesäßregion mit kräftigen, längeren Haaren. Die meisten unserer Patienten zeigten diesen Befund. Allerdings gibt es auch Frauen mit der Erkrankung, die eine sehr schwache Behaarung aufweisen und oft einen hellen Hauttyp haben. 
  • Junge Männer zwischen dem 20 und 40 Lebensjahr. Diese Gruppe ist mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
  • Vererbung: Kinder von einem Elternteil mit einem Sinus Pilonidalis haben ein erhöhtes Risiko einer Erkrankung
  • Sitzende Tätigkeit: Hierzu gibt es mehrere Mutmaßungen, was auch die Zunahme der Erkrankung mit erklären könnte, da die meisten Menschen einer sitzenden Tätigkeit nachgehen.
  • Hormonell bei Frauen mit einem erhöhten Serum Prolaktin Spiegel
  • Mangelnde Hygiene: Ist gegenwärtig kein Risikofaktor, begünstigt aber nach eigenen Erfahrungen die Entstehung und die Wiederkehr der Erkrankung nach Operationen.
  • Rauchen: Auch kein nachgewiesener Risikofaktor, wir wissen aber das Nikotin die Mikrodurchblutung vermindert und zu einer schlechteren Wundheilung führt, daher besser weglassen.

Was passiert im Körper bei einer Steissbeinfistel?

In dem Sinus finden sich meistens Zelltrümmer (Detritus), Haare und vernarbtes Gewebe (Fistelhöhle). Dieses sind Zeichen einer chronischen Reaktion des Körpers auf die Haare im Unterhautfettgewebe, die er als Fremdkörper betrachtet und versucht durch eine Entzündungsreaktion zu entfernen oder abzuschotten (Fremdkörpergranulom). Da es keine spontane Heilung gibt, gelingt dieses Unterfangen des Körpers nur bedingt.

Wie ist die Therapie einer Steissbeinfistel?

Es handelt sich bei der Therapie immer um eine chirurgische Therapie. Antibiotika sollten daher nicht verordnet werden, bzw. sind nur kurzfristig zur Linderung sinnvoll. Eine Eiterbildung muss aber nicht immer vorhanden sein. Der entstandene Gang (Fistel, Porus) bleibt in der Regel offen und „saugt“ neue Haare hinein, so dass die Krankheit immer weiter fortschreitet. 

Wie ist die Prophylaxe des Sinus pilonidalis?

Eine nachgewiesene Vorbeugung (Prophylaxe) besteht nur in der regelmäßigen Analhygiene und dem Unterlassen des Rauchens. Für die Wirksamkeit der Haarentfernung in dem betroffenen Gesäßabschnitt mittels Laser (Epilation) gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, daher  werden die Kosten für die Laserbehandlung von den Gesetzlichen Krankenkassen auch bei Rezidiven nicht übernommen. Eine Haarentfernung mittels Rasur sollte außer in der frühen Wundheilungsphase unterbleiben, da hierbei die Erkrankung häufiger wiederkehrt (Rezidive).

Was kann es noch sein? Analfistel, Acne Inversa, Einrisse...

Es muss nicht immer ein Sinus Pilonidalis sein, auch wenn dieses die häufigste Erkrankung in der Gesäßfalte ist. 

Diffenzialdiagnostisch sollte auch an die Acne Inversa (Hidradenitis Suppurativa) gedacht werden. Dieses ist eine Hauterkrankung der Talgdrüsen und Haarwurzeldrüsen, welche zu kleinen, aber schmerzhaften Entzündungen führt und bei einem chronischen Verlauf die Neigung zu ausgedehnten kleinen Gängen (Fisteln) hat.

 

Bei Befunden in der Nähe des Schließmuskels muss immer eine Analfistel ausgeschlossen werden. Diese haben Ihren Ursprung im Analkanal (Enddarm) und es bedarf einer ganz anderen Operationsstrategie.

 

Häufig ist aber nur die oberste Hautschicht (Epidermis) betroffen. Hier handelt es sich oft um kleine Einrisse(Rhagaden) oder sich die Ausbildung einer Schuppenflechte (Psoriasis), die beide nicht chirurgisch therapiert werden.